Save the Date25. Verleihung des Friedenspreis des Deutschen Films – Die BrückeDienstag, 23. Juni 2026, 19:30 Uhr · Cuvilliés-Theater MünchenMehr erfahren
1919 – 2000

Bernhard Wicki

Eine der bedeutendsten Persönlichkeiten der Film- und Zeitgeschichte des 20. Jahrhunderts – Schauspieler, Regisseur, Fotograf, Zeitzeuge.

1939 wurde er als politischer Häftling Nr. 1780 im Konzentrations­lager Sachsenhausen inhaftiert – eine Erfahrung, die sein Leben und sein umfangreiches filmisches und fotografisches Werk geprägt hat.

Zu internationalem Ruhm gelangte der Schauspieler und Regisseur durch seinen Antikriegsfilm »Die Brücke« (1959), der bis heute zu den wirkungs­mächtigsten deutsch­sprachigen Filmen seiner Zeit zählt – ausgezeichnet unter anderem mit dem Golden Globe und nominiert für den Oscar.

Für seine künstlerische Arbeit zu Frieden und Völker­verständigung wurde Bernhard Wicki von den Vereinten Nationen ausgezeichnet; sein filmisches Vermächtnis ist im Haus der Geschichte in Bonn aufgenommen worden.

Wickis Werk ist getragen von einem unbedingten Humanismus, von der Verpflichtung zu Erinnerung und vom Glauben an die Kraft des Films, Bewusstsein zu schaffen – gegen Gewalt, gegen Verblendung, für die Würde des Einzelnen.

Bernhard Wicki – Porträt
Biografie

Stationen eines Lebens.

  1. 1919
    Am 28. Oktober in St. Pölten, Niederösterreich, geboren. Vater Schweizer Ingenieur, Mutter Österreicherin mit ungarischen Wurzeln.
  2. 1938
    Studium der Kunstgeschichte, Geschichte und Germanistik in Breslau, Wechsel an Gustaf Gründgens’ Schauspielschule in Berlin.
  3. 1939
    Wegen Mitgliedschaft in der Bündischen Jugend (dj 1.11) als politischer Häftling Nr. 1780 mehrere Monate im Konzentrationslager Sachsenhausen inhaftiert – eine Erfahrung „außerhalb alles Sagbaren", die sein Leben und Werk prägte.
  4. 1940er
    Schauspielstudium am Max Reinhardt Seminar Wien. Theater­engagements in Bremen, München, Salzburg, Basel und Zürich. 1945 Heirat mit Agnes Fink, Schweizer Staats­bürgerschaft. Freundschaft mit Friedrich Dürrenmatt.
  5. 1950
    Rückkehr ans Bayerische Staatsschauspiel, Filmdebüt in »Der fallende Stern« – Beginn einer markanten Leinwand­karriere.
  6. 1959
    »Die Brücke« – Wickis bedeutendster Antikriegsfilm: Goldene Schale, Filmband in Gold, Golden Globe, Oscar-Nominierung.
  7. 1962
    Co-Regie für die deutschen Anteile von »The Longest Day« (Der längste Tag) – Hollywood erkennt seine inszenatorische Klasse an.
  8. 1971
    »Das falsche Gewicht« nach Joseph Roth – leise, intensive Studie eines aus der Bahn geworfenen Lebens. Goldene Kamera, Filmband in Gold.
  9. 1989
    »Das Spinnennetz« – späte Rückkehr zum großen Kinofilm und sein politisches Vermächtnis. Erneut Oscar-Nominierung.
  10. 1995
    Heirat in zweiter Ehe mit der Schauspielerin Elisabeth Endriss.
  11. 1999
    Letzter öffentlicher Auftritt zum 80. Geburtstag – Hommage von Weggefährten und Freunden.
  12. 2000
    Am 5. Januar in München gestorben. Beigesetzt auf dem Nymphenburger Friedhof. Im selben Jahr Gründung des Bernhard Wicki Gedächtnis Fonds e.V.
Filmografie

Als Regisseur.

1958

Warum sind sie gegen uns?

Dokumentarfilm – Filmband in Silber

1959

Die Brücke

Goldene Schale · Golden Globe · Oscar-Nominierung

1961

Das Wunder des Malachias

Silberner Bär (Beste Regie), Berlinale

1962

The Longest Day

Co-Regie der deutschen Anteile

1964

Der Besuch

Mit Ingrid Bergman, Anthony Quinn – nach Dürrenmatt

1965

Morituri

Mit Marlon Brando und Yul Brynner

1971

Das falsche Gewicht

Nach Joseph Roth – Goldene Kamera

1985

Die Grünstein-Variante

DEFA, mit Wolfgang Kohlhaase

1987

Sansibar oder Der letzte Grund

Adolf-Grimme-Preis mit Gold

1989

Das Spinnennetz

Nach Joseph Roth – Vermächtnis und Mahnung

Bernhard Wicki hinter der Filmkamera
Bernhard Wicki als Regisseur

Als Schauspieler – Auswahl.

  • 1953Die letzte Brücke
  • 1955Es geschah am 20. Juli
  • 1955Kinder, Mütter und ein General
  • 1957Die Zürcher Verlobung
  • 1960La Notte / Die Nacht
  • 1976Die Eroberung der Zitadelle
  • 1977Die linkshändige Frau
  • 1981Die Fälschung
  • 1989Sommer in Lesmona
Auszeichnungen

Anerkennung eines Lebenswerks.

  • Großes Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland (1982)
  • Helmut-Käutner-Preis (1986)
  • Bayerischer Filmpreis (1989)
  • Berlinale Kamera (1990)
  • Bayerischer Verdienstorden (1992)
  • Österreichisches Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I. Klasse (2000)

Hinzu kommen zahlreiche weitere Filmbänder, der Schwabinger Kunstpreis, die Medaille »München leuchtet« in Gold, der UFA Ehrenpreis und der Adolf-Grimme-Preis mit Gold (1988) für »Sansibar oder Der letzte Grund«.

„Film kann die Welt nicht verändern oder verbessern, er kann aber Klima schaffen, und in dem Klima kann sich etwas entwickeln oder verändern."
– Bernhard Wicki
Gründerin und Vorstand
Elisabeth Wicki-Endriss mit Bernhard Wicki
Elisabeth Wicki-Endriss mit Bernhard Wicki

Hüterin eines Vermächtnisses.

Im Jahr 2001, ein Jahr nach dem Tod ihres Mannes, gründete Elisabeth Wicki-Endriss den Bernhard Wicki Gedächtnis Fonds e.V.

Als Witwe Bernhard Wickis und Mit­schöpferin seines späten Werks verbindet sie persönliche Erinnerung mit kulturpolitischem Engagement: Bildung, Toleranz und Völker­verständigung sind die Leitlinien ihrer Arbeit. 2007 porträtierte sie in der Dokumentation »Verstörung – und eine Art von Poesie« das Leben und Werk Bernhard Wickis.

Mit Vorträgen, Buch­publikationen und Filmreihen trägt sie das Vermächtnis in Kinos, Schulen und Universitäten. Im Mittelpunkt steht stets die Frage, wie Film junge Menschen für die großen Fragen der Zeit sensibilisieren kann.

„Es geht um Haltung. Bernhard hat seine Filme als Akte der Zivilcourage verstanden. Diese Haltung dürfen wir nicht verlieren."